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Der Staat lässt den Strompreis steigenDie Strompreisänderung hängt auch mit dem notwendigen Ausbau des Stromnetzes zusammen.

Preisänderung bei den Stadtwerken Lingen zum 01. Mai 2012

Lingen, 16. März 2012. Kostensteigerung trifft private Haushalte – Seit Jahresbeginn sind große stromintensive Betriebe von den Netzentgelten befreit. Die Bundesregierung hat die Entgelte für die Nutzung des Stromnetzes per Gesetz auf die Haushalte und kleinen Unternehmen umgelegt. Neben dieser Mehrbelastung wirken die dezentrale Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und die damit verbundenen Netzausbaukosten preistreibend. Auch die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz wurde leicht erhöht. Bei den Stadtwerken Lingen steigt der Strompreis zum 01. Mai um rund 3,4 Prozent.
 
Die Gründe für die Preisänderung sind für den Verbraucher oft nicht eindeutig. Für sie wird das Thema „Strom“ bei Preisänderungen zum Reizthema – und ihr Energieversorgungsunternehmen zum „Prügelknaben“.

Was viele Verbraucher nicht wissen: Preistreiber auf dem Strommarkt ist der Staat: Nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) beträgt der Anteil der staatlichen Steuern und Abgaben inzwischen 46 Prozent – von jedem gezahlten Euro für Strom gehen also 46 Cent an den Staat.

Wie für etwa 400 andere Energieversorger führt auch für die Stadtwerke Lingen kein Weg an einer Änderung des Strompreises vorbei: Zum 01. Mai 2012 steigt der Strompreis um 0,77 Cent (brutto) von 20,83 Cent auf 21,60 Cent pro Kilowattstunde, die Grundpreise bleiben unverändert bestehen. Für einen Durchschnitts-Haushalt mit einem Strombedarf von beispielsweise 3.500 Kilowattstunden (kWh) bedeutet das eine Kostensteigerung um etwa 2,25 Euro (brutto) im Monat bzw. etwa 3,4 Prozent.

Änderung der Stromnetzentgeltverordnung

Die Stromnetzentgeltverordnung (kurz StromNEV) regelt, wie viel Stromkunden für die Nutzung des Stromnetzes zahlen. Die StromNEV wurde zum 01. Januar 2012 geändert. Bisher haben alle Unternehmen Netzentgelte für den Stromtransport gezahlt. Nach der Änderung sind große energieintensive Industriebetriebe von den Netzentgelten befreit. Diese finanzielle Lücke sollen die Netzbetreiber über eine Mehrbelastung der übrigen Kunden (§ 19-Umlage) schließen.

Erhöhung der EEG-Umlage

Neben der neuen §19-Umlage der StromNEV bedingt die gestiegene EEG-Umlage einen Teil der Strompreisanpassung. Der Ausbau der erneuerbaren Energien, vor allem die gesetzlich festgelegten Vergütungen, zum Beispiel für die Betreiber von Photovoltaikanlagen, kostet Geld. Dafür kommen alle Unternehmen und Haushalte mit der im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegten EEG-Umlage auf. Die Erhöhung der EEG-Umlage wurde bereits im Oktober 2011 beschlossen.

Erhöhung der Netzentgelte

Als dritte Komponente für die Preisanpassung kommen die steigenden Kosten für die staatlich regulierten Netzentgelte durch den erforderlichen Ausbau des Stromnetzes hinzu. „Auch das hängt mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien zusammen“, sagt Ulrich Boss, Geschäftsführer bei den Stadtwerken Lingen. „Wenn wir in Deutschland ständig wachsende Strommengen erzeugen, muss das Netz diese Last tragen können“, fügt er hinzu. Der zeitweilige Überschuss an Strom, der häufig durch erneuerbare Energien erzeugt wird, muss dorthin transportiert werden, wo er gebraucht wird. Das führt im bestehenden Netz häufig zu Überlastungen. Dem entgegen wirken kann nur ein massiver Ausbau des Stromnetzes. Die Kosten dafür tragen auch die privaten Haushalte durch erhöhte Netzentgelte.

„Es ist unsere Pflicht, die Kunden frühzeitig über die Preisanpassung zu informieren. Wichtig ist uns dabei vor allem, dass sie verstehen, dass die Gründe dafür durchweg politisch und nicht selbstbestimmt sind. Die staatlichen Umlagen und Steuern können von uns nicht beeinflusst werden. Sie machen mittlerweile fast die Hälfte des Strompreises aus. Ein künftiger weiterer Anstieg dieser staatlichen Abgaben ist nicht auszuschließen“, betont Ulrich Boss.